Herbstwanderwoche 2002

und Hochwasser


Solidarität der Naturfreunde

 

 Die „Herbstwandergruppe“ war 2002 zum 20. Mal in Folge unterwegs, nicht mehr mit großem Gepäck sondern nur noch mit Tagesrucksack, aber immer noch von Haus zu Haus. Dieses Mal im Erzgebirge entlang der tschechischen Grenze von West nach Ost – von Schwarzenberg bis  Altenberg mit einem Besuch in Dresden.

Bei meist schlechtem Wetter hatten wir nicht nur viele Außenerlebnisse in wunderschöner Natur, sondern waren oft und gern auch unten im großen Schaubergwerk in Annaberg, drinnen in der Hammerschmiede der Saigerhütte in Olbernhau, in Seiffen in der Schauwerkstatt der heimischen Spielzeugindustrie und im Sächsischen Brauereimuseum in Rechenberg. Einige Besichtigungen waren geplant, zu anderen trieb uns die Mittagspause, die nicht wie gewohnt auf sonniger Wiese stattfinden konnte. Auch ein „Asiaten-Markt“ hinter der deutsch/tschechischen Grenze wurde so besucht.

An einem Abend trafen wir uns mit Achim Dresler, den einige von uns aus seiner Rüsselsheimer Zeit kennen und der seit 10 Jahren im Sächsischen Industriemuseum in Chemnitz arbeitet. Er führte uns ein in die Industrie- und Arbeiterbewegungsgeschichte des Erzgebirges.

Viel erfahren haben wir auch bei Gesprächen mit Einheimischen über deren Leben und ihre Probleme.

Und viel gesehen haben wir nach der Hochwasserkatastrophe, die ihren Ursprung ja auch im Erzgebirge hatte – z.B. wegen der Abholzung der Wälder nach großen Schäden und der Regulierung und Verbauung vieler kleiner Flüsse. Beschädigte Häuser, Straßen, Bahnlinien, Brücken – die uns auch oftmals ein Weiterkommen auf unseren Wanderwegen und bei der Benutzung öffentlicher Verkehrs-mittel behinderten.

 

Sehr bewegt und beeindruckt von diesem „Augenschein“ haben wir innerhalb unserer Gruppe gesammelt und 500 Euro gespendet an eine Naturfreunde-Familie, deren Anschrift wir von dem uns bekannten Vorsitzenden der Dresdner Ortsgruppe erhalten hatten.

Doris Schmidt

Das Dankeschön der Familie Brückner möchten wir gerne – auch im Zusammenhang mit dem Spendenaufruf für das betroffene Naturfreundehaus Königstein - hier veröffentlichen:

 

„Liebe Naturfreundinnen und Naturfreunde,

für Eure Spende möchten wir uns ganz herzlich bedanken. Es tut un-heimlich gut, wenn man in so einer Situation Hilfe bekommt und spürt, dass man nicht allein gelassen wird.

Wir sind im  Moment dabei, unsere neue Wohnung in Dresden-Zschachwitz zu beziehen. Auf der Wasserstraße stand das Hochwasser der Elbe 1,20 m in der Wohnung, nachdem die Müglitz bereits quer durch die Straßen unserer Stadt geströmt und die Keller überflutet hatte. In diese alte Wohnung werden wir nicht zurückkehren, da uns dort die Erinnerungen an das Wasser wohl nie verlassen werden, zumal es auch schon in den 80er Jahren ab und zu im Keller stand, wenn auch niedrig. Auch haben wir Zweifel, dass das Mauerwerk so bald austrocknet.

Wir können das Geld gut gebrauchen, denn wir benötigen ja komplett neue Möbel. Vielleicht mehr schmerzt der Verlust an persönlichen Dingen, wie z.B. ein großer Teil unserer Dias, die wir von allen Reisen gemacht haben. Die kleinen Reiseberichte wurden Blatt für Blatt getrocknet. Sie sind nun zwar unansehnlich, aber noch lesbar. Die Bücher sind zum großen Teil gerettet, einige wertvolle aber mussten weggeworfen werden, vor allem klassische Reisebeschreibungen wie Darwin und Humboldt, auch die sechs Bände Tierreich und der große Haack-Weltatlas.

Nun Schluss mit dem Gejammer, andere hat es schlimmer erwischt. Vielleicht kann man dieser Flut auch einen positiven Gedanken abgewinnen. Die Natur hat uns drastisch gezeigt, dass wir sie nicht ausblenden und auf die Dauer gegen sie handeln können.

Für uns geht das Leben weiter. Wir werden im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten weiterhin Reisen unternehmen, mit unserer Naturfreundegruppe mehr oder minder große und kleine Wanderungen durchführen, Silvester gemeinsam im Haus Königstein feiern. Und vielleicht werden wir uns auch irgendwann einmal sehen.

Recht herzliche Grüße Inge und Helmut 