"Die Naturfreunde", Ortsgruppe Rüsselsheim

Kinder und McDonalds

Herbst 2000

Die Veränderung beginnt im Kopf:
Von der Kunst, Nachwuchs für die Naturfreunde zu interessieren

Oder:
Warum Ältere ertragen müssen, dass mit der Jugend manches schräg läuft.

Mag sein, dass Kinder auch dann in Scharen herzensgerne bei Mc Donald's essen würden, wenn sich die Fast-Food-Kette nicht so intensiv um den Nachwuchs bemühen würde. Doch offenbar wollen die Hamburger-Bräter nichts dem Zufall überlassen, und deswegen gibt es Junior Tüte samt Spielzeug, Fähnchen, Ballspielraum und Rutschen, Kino-Zeitung und die Möglichkeit, seinen Geburtstag dort zu feiern. Das Kalkül, das dahinter steht, ist dreifach:

  1. Wer in jungen Jahren zum Mc Donald's-Fan erzogen, wird es auch als älterer und erwachsener Mensch bleiben.
  2. Wo es Kinder hinzieht, da sind meist auch Geschwister, Eltern, Großeltern nicht fern.
  3. Das mittels Werbung bei groß und klein geweckte Interesse fördert Image und Bekanntheit - und das wiederum zieht noch mehr Leute an.

Was bedeutet das für die Naturfreunde, und insbesondere unsere Rüsselsheimer Ortsgruppe, bei der die jungen Mitglieder auch meist schon mehr als vierzig Lenze auf dem Buckel haben? Wer möchte, dass die Naturfreunde nicht vergreisen oder gar eines Tages aussterben, tut gut daran vorzubeugen und zu überlegen, wie junge Menschen für den Verein und seine Ziele zu gewinnen sind: Was haben wir zu bieten, wo sind wir attraktiv?

Die Antwort ist eigentlich ermutigend, wenn auch manches wie Tafelsilber erst blank geputzt sein will. Was wäre, wenn die Kanuabteilung einmal im Sommer einen Jugendkurs für Anfänger anböte, das K2R-Team erneut eine Kinderstunde im Radio ausstrahlt, der Verein seine Räumlichkeiten für Geburtstagspartys und Vereinsfeiern gezielt offeriert (in dem z.B. Kindergärten oder Klubs angeschrieben werden).

Es gibt noch mehr Ideen. Mit der Stadt oder einem Verein, etwa TG Rüsselsheim oder TV Haßloch, könnte eine Zusammenarbeit gesucht werden, um auf dem Naturfreunde-Gelände Ferienspiele anzubieten. Schön wäre, einmal im Monat freitagabends eine Disco oder im Sommer mal ein Open-Air zu haben, mit Musik, die auch Junge anspricht. Das bringt natürlich schräge Töne und Unruhe ins Haus, aber auch die Chance, Nachwuchs für die Naturfreunde zu gewinnen.

Vielleicht tut es auch Not, dass die Ortsgruppe sich neuen Trends öffnet:

Mountain-Bike, Climbing, Inliner, ein Piercing- und Tattoo-Workshop, ein Beachvolleyballfeld auf unserem Gelände - warum nicht? Was es braucht ist zunächst Bereitschaft und Wille. Die Veränderung beginnt im Kopf, und dann fällt einem schon von alleine jemand ein (und im Zweifel hilft intensives Nachdenken), welcher Nachbar oder Sportsfreund, welche Arbeitskollegin oder Bekannte hat Zeit, sich zu engagieren, Interesse, das er / sie einbringen kann,

wäre zu fragen: Dein Sohn ist doch DJ. Will der nicht mal bei uns ...

Vielleicht brauchen wir einen Jugendwart. Womöglich kommen kluge Rechner gar zu dem Ergebnis, dass es auf einen überschaubaren Zeitraum sinnvoll ist, Geld zu investieren und Übungsleiter anzustellen, deren Entlohnung sich über steigende Mitgliedsbeiträge wieder einspielt. Solche finanziellen Überlegungen haben die bei Mc Donald`s garantiert gemacht.

Jürgen Gelis

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