Wie jedes Jahr trafen sich die Naturfreunde früh morgens zur Herbstwanderwoche am Rüsselsheimer Bahnhof. Eine Naturfreundin erreichte eben noch so das Trittbrett der S-Bahn, ehe sie losfuhr. Nachdem auch die letzten der Wandertruppe in Gustavsburg und Mainz hinzustießen, verwunderte es uns, daß wir mit unserem Eurocity wieder an Rüsselsheim vorbeibrausten und dann noch eine weitere Naturfreunde-Gruppe am Frankfurter Flughafen hinzustieg. Doch in Straßbourg trennten sich die Wege, da die hinzugestiegenen Naturfreundinnen nach Zermatt wollten und uns eine von Doris vorgebuchte "Schlemmanderwoche" im Elsaß erwartete.
Als erstes Etappenziel hatte Doris "Mont St. Odile" gewählt. Bei nicht erwartetem Strahlewetter kamen wir auf dem heiligen Berg des Elsaß im Kloster St. Odile an. Einfach hingerissen waren wir von dem Ausblick bis in den Schwarzwald. Unterhaltung bot uns zunächst eine Hochzeitsgesellschaft. Fasziniert waren wir von der königlich aussehenden Braut, die trotz merklicher Abkühlung und mehrstündigem Küssen im kurzärmeligen Kleid die strahlenden Gesichtszüge nicht verließen. Ganz nach Klostermanier mußten wir nach spartanischem Abendessen um 21.00 Uhr den Speisesaal verlassen. Gut ausgeruht genossen wir den überwältigenden Sonnenaufgang am nächsten Morgen. Doch schon bildeten sich innerhalb der Gruppe plötzlich zwei Gruppen. Wahrscheinlich waren es die wichtigen Gespräche über gutes Essen, die es uns nicht bemerken ließen, daß die Hälfte der Gruppe fehlte. Doch was so echte Naturfreunde sind, finden sie sich Dank guter Intuition rasch wieder. Nach ausgedehnter Mittagsrast auf einer großen Wiese bei strahlendem Sonnenschein erwartete uns ein köstliches Menue in unserem Quartier in Reichsfeld. Sicher hatte Doris ein besonderes Abkommen mit Petrus getroffen.
Nachdem wir am nächsten Morgen bei Regen aufwachten, konnten wir bei gewohntem Strahlewetter loswandern. An diesem Tag warteten die Burgruinen
Ortenbourg und Ramstein auf uns.
Diese Wanderwoche ist nicht nur zum Laufen und Essen da, nein, etwas Kultur bekommen wir auch kredenzt. Trotz Kultur und schöner Rastplätze erreichen wir nachmittags Chatenois, ein typisch elsässisches Örtchen. Begeistert waren wir von den wunderschönen Blumen an den Fenstern und Türen und natürlich von unserem exzellenten Menue und dem guten Wein in unserem Hotel.
Etwas wehmütig verließen wir den gastlichen Ort, denn ein schöner Ausblick erwartete uns auf der Königsbourg. Leider war eine Besichtigung wegen Sturmwarnung nicht möglich. Die Ankündigung des Sturms ließ uns früher als gewohnt in unseren nächsten Quartier in Tannenkirch ankommen, wo wir zwei Tage blieben.
Wieder war es gut von Doris geplant, daß der Regen am nächsten Tag eintrat, so daß man die Wahl hatte, eine Tageswanderung zu machen oder einen "Verwöhntag" im Hotel einzulegen.
Unser Weg führte uns am nächsten Tag an zahlreichen Burgen vorbei nach Riquewihr. Im malerischen Riquewihr mischten wir uns unter die zahlreichen Touristen. Da Doris Halbpension gebucht hatte, konnten wir uns rasch von dem Touristenrummel wieder verabschieden, denn pünktlich um 19.00 Uhr war - wie immer - Treffpunkt zum gemeinsamen "Schlemmen".
Leider meinte es der Wettergott am nächsten Tag nicht so gut mit uns. In Kaysersberg - der Geburtsstätte Albert Schweitzers - besichtigten die Bildungsbeflissensten unter uns das Museum, andere sorgten mehr für ihr leibliches Wohl und gingen ins Cafe. Der weitere Weg nach Labaroche führte stetig bergan durch den Wald und es regnete und regnete.
Uns schien es, als würden wir unser Ziel nie erreichen. Dann endlich war es soweit -Labaroche war in Sicht, nur noch ein paar Meter - ... aber weit gefehlt, der Ort zog sich endlos. Irgendwann kamen wir völlig durchnäßt und unterkühlt in unserem Hotel an. Tee und viel Rum wärmten uns auf. Das Essen am Abend entschädigte uns für das driste Wetter. Die Landschaft selbst lernten wir nur durch Doris' Beschreibungen kennen, denn bei dem diesigen Wetter konnten wir gar nichts sehen. Dafür konnten wir am nächsten Tag "regenfrei" durch die Weinberge wandern und als Entschädigung aßen wir leckere Trauben direkt vom Weinstock. Um die Mittagszeit wurden wir von netten Elsässern zur "Federweißenprobe" eingeladen. Mit zusätzlich 4,5 Litern "Wegzehrung" waren wir froh, als wir Eguisheim erreichten. Hier wartete ein schöner Stadtrundgang auf uns.
An unserem letzten Tag fuhren wir mit einem gecharterten Bus nach Colmar. Perfekt geplant nahm uns der Touristenführer hier in Empfang und zeigte uns seine schöne Stadt.
Voll von interessanten Eindrücken, gutem Essen und Trinken und gut erholt traten wir am Sonntag unsere Heimreise an. Uns bleibt die Erinnerung und die Vorfreude auf die nächste "Herbstwanderwoche".
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