Der feste
"Wander-Clan" der Naturfreundinnen hatte sich mal wieder gruppiert, mitsamt
zweier "Neuzugänge". Am 20.5.00 ging es ab Rüsselsheim los, zunächst mit dem
"Abenteuer Bahn". Vergesst alles, was Ihr bislang Schlechtes über die Bahn
gehört habt - es ist viel schlimmer. Auf Umwegen und "mit Hilfe" von
Desinformationen gelangten wir 11 Frauen (die Zwölfte stieß erst in Wichsenstein zu uns)
- nach Kirchehrenbach, von wo aus wir uns und unsere Wanderstiefel über das so genannte
Walberla nach Leutenbach einliefen. Das Walberla ist berühmt für sein großes
Kirschanbaugebiet: Wiesen mit Kirschbäumen, die normalerweise im Mai blühen. Diesen
schönen Anblick konnten wir leider nicht mehr genießen - die Zeit war schon vorbei dank
des frühsommerlichen Wetters zu Beginn des Frühjahrs.
Diese kleine Wanderung forderte - wie immer am Anfang - ihren Tribut in Form von Blasen und Muskelkatern, die wir dann des Nächtens gut auskurierten.
Die Wanderungen in den nächsten Tagen bescherten uns in dem abwechslungsreichen Mittelgebirge
unerwartete Durchblicke in Steigen,
Einblicke in Höhlen und allenthalben in fast jedem Dorf noch teilweise genutzte Backhäuschen
wie auf Burgen und Bach- und Flußläufe.
Unsere Stationen in den kommenden Tage waren:
Wichsenstein mit einem der höchsten Aussichtspunkte der Fränkischen Schweiz, den wir dann auch prompt erklommen.
Hundsdorf, das ländliche Idyll, erreichten wir teilweise entlang des Bächleins Trubach über Egloffstein mit seiner Burg und den vielen schönen Fachwerkhäusern in engen und steilen Gassen. Nicht versäumen sollte man, die Bäckerei-Konditorei hinter der "Pension Mühle" an der Hauptstraße aufzusuchen. Schmackhafte Backerzeugnisse und eine bei gutem Wetter nutzbare Terrasse an einem plätschernden Bach laden zum Verweilen ein.
Tüchersfeld war das nächste Etappenziel. Zuvor jedoch besichtigten wir eine der wohl eindrucksvollsten Höhlen in Deutschland - die Teufelshöhle mit ihren Stalagmiten (stehende Zapfen) und Stalaktiten (hängende Zapfen). Die großen und eindrucksvollsten, Jahrtausende alten Tropfsteingebilde haben entsprechend ihrem Aussehen biblische Namen erhalten, wie z. B. "Die zwölf Apostel", "Dom" etc. Den Besuchern sind natürlich eigene Interpretationen freigestellt.
Angekommen in Tüchersfeld machten wir Quartier in einem Gasthof mit kreischenden und sogar sprechenden Papageien als Mitbewohner, einem "futuristischem" Bett aus den 70er Jahren, an dem aber auch gar nichts mehr an technischen Neuerungen funktionierte. Ein kleiner Teil von uns entschädigte sich ob dieser Unbequemlichkeiten in einem nahegelegenen Café mit hausgemachtem Eis.
Am darauffolgenden Morgen besuchten wir schon weit vor der offiziellen Öffnungszeit das auf einem Anhang gelegene Jüdische Museum. "Weibsen" auf einem Haufen können ja mit Lachen einen solchen Krach veranstalten, dass jedermann unwillkürlich aufmerksam wird. Tja, und dies bescherte uns den vorzeitigen Einlass. Faszinierende fossile Funde aus dem ehemals Schwäbischen Meer, Trachten und Mobiliar der verschiedenen Jahrhunderte, auch eine Synagoge waren dort zu besichtigen.
Weiter ging es an vorbei an der Sophienhöhle zu unserem Etappenziel an diesem Tage, der Waldpension "Rabeneck" mit sonniger Terrasse zum Relaxen.
Am nächsten Tag hieß es: Auf nach Muggendorf! Entlang der Wiesent führte uns unser Weg nach Doos, in der eine integrative Selbsthilfegruppe Alkoholkranker sich mit angeschlossenem Café, Gasthof, liebevoll angelegtem Kräutergarten, einer Sinneserlebniswelt und dem Verkauf selbst hergestellter Dinge ein "Zubrot" verdient.
Eine Naturfreundin brachte es doch tatsächlich fertig und kaufte sich ein riesengroßes Windglockenspiel und eine Holzkatze als "Türstopper". Der Rucksack war natürlich zu klein, so dass sie die Utensilien in einer Plastiktüte "schleppen" musste. Es erbarmten sich aber zwei Wanderfreundinnen und übernahmen die schwere Last in ihren Rucksäcken. So bepackt ging es oberhalb von Doos über den über 200 Höhenmeter zu überbrückenden Felsensteig, der Versturzhöhle Riesenburg, weiter zur Oswaldhöhle. Zur Mittagszeit "spalteten" wir uns - wobei jede Gruppe, sei es auf der Wiese, sei es im Wald, Regen abbekam. Unsere mitgebrachten "Stullen" schmeckten aber trotzdem. Übernachtet haben wir dann in der familiär von Mutter und Tochter geführten "Pension Brandl", die bitterlich den Rückgang des Tourismus beklagten, da Muggendorf "dank" der Umgehungsstraße so gut wie von der Außenwelt abgeschnitten worden ist.
Unser vorletztes Wanderziel war Heiligenstadt. Über Streitberg, bekannt für seine diversen Likörbrennereien (es wurde natürlich kräftig eingekauft) und durch das idyllische Leidingshofer Tal erstiegen wir mit letzter Kraft die bereits abgetretenen Felsstufen zum Naturfreundehaus Veilbronn. Snobistisch wie wir nun mal sind, haben wir schon vorher per Handy - man gönnt sich ja sonst nichts - Kaffee und Kuchen bestellt. In Heiligenstadt lud - die Konfession mal außer Acht gelassen - die Evangelische Pfarrkirche St. Veit und St. Michael mit Deckengemälden, Ornamenten und einer imposanten Emporenbrüstung mit entsprechendem Gestühl zum Bestaunen und Verschnaufen ein.
Die letzte Nacht verbrachten wir im "Heiligenstädter Hof", einem Hotel, das uns für die eine oder andere Unterkunft mehr als entschädigte.
Mit dem Bus fuhren wir am nächsten Morgen nach Bamberg. In der Ferne war die Burg Greifenstein sichtbar. Zeit zur Besichtigung blieb uns leider nicht mehr, denn in Bamberg wurden wir schon erwartet. Der letzte gemeinsame Tag wurde mit einer Stadtbesichtigung von Bamberg abgerundet. Wir hatten dazu einen Naturfreund eingeladen, der uns mit viel Insiderwissen, Enthusiasmus, bayerischem Witz und einer gehörigen Portion Sarkasmus u. a. die politischen und klerikalen Details Bambergs näherbrachte.
Übrigens: Ungewiss ist bis heute immer noch der Verbleib eines einer Naturfreundin per Post nachgeschickten Wanderstocks. Auch ein vergessener Schirm ist nicht wieder aufgetaucht - dafür "ergatterte" ein Mitwanderin als Trost ein wesentlich moderneres Exemplar.
Wie immer konnten wir uns auf die Superorganisation von Doris verlassen, wofür wir alle ihr noch mal ein herzliches "Dankeschön" sagen.!
Susanne Rehardt
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